Donnerstag, 23. April 2009

Colombia, chèvere!

Nun sind wir schon fast vier Wochen in Kolumbien und haben noch kein Zeichen gegeben, dass wir noch nicht entführt worden sind;-)

Uns geht’s gut! Wir sind jetzt nahe Bucaramanga auf einem Hügel in einem Hostel, wo man Paragliding-Tandemsprünge machen kann und wenn einen das Fieber packt, gerade auch noch den „Führerschein“! Dies dauert hier nur 10 Tage Intensivtraining und kostet läppische 500Fr. Das gute am hier lernen ist, dass es ein super „einfacher“ Ort ist, da man eine grosse Landefläche hat und wenn der Wind mitmacht kann man dort landen wo man gestartet ist, was sehr selten der Fall ist. Mal schauen wie mir der Tandemsprung gefällt und wer weiss, vielleicht mache auch ich den Kurs. Ralph hat sich schon entschieden, seinen Traum Pilot zu werden auf diese Weise zu erfüllen.

Ralph ist jetzt gerade unterwegs nach Bogota, was ca. 8 Fahr-Stunden von hier entfernt ist und wird deshalb wohl erst morgen oder übermorgen zurück kommen. Komisches Gefühl nach 10 Monaten das 1. Mal eine Nacht nicht nebeneinander einzuschlafen... Warum er dahin fährt: er holt unser Zelt vom Postamt dort ab!! Das Zelt, welches wir während den Reisevorbereitungen vor 9 Monaten via Internet aus den USA in die CH bestellt hatten, es dann auf die Reise mit nahmen, zurück in die USA. Dann bis Mexiko fast ungebraucht mitkarrten und es deshalb zurück in die CH schickten. Und nun merken wir, dass wir das Zelt doch super gebrauchen könnten und es macht erneut den weiten Weg über den Atlantik. Danke an Mami-Eveline und Papi-Werni für eure Hilfe!!!

So, das heisst das Zelt flog ganze vier mal über den Teich!Und warum?? Weil LilKim bis vor 5 Wochen NIE mehr Zelten wollte und da wir Übergewicht auf dem Motorrad verlieren wollten, musste das Zelt halt daran glauben. Dann in Panama City mussten wir zwangsläufig Zelten (kein Platz in einem Hostal) und wir, ok ICH merkte, wie praktisch es doch ist und gar nicht mehr gar so sehr unangenehm... Wir hätten easy ein neues Zelt kaufen können, was viel günstiger gewesen wäre, aber es musste halt unser supergutes, teures extra für diese Reise ausgewähltes Hilleberg Zelt sein gell Ralph!;-) Wenn alles klappt, sind wir also ab bald in userem sündhaft teuren Zelt zu Hause. Und mit etwas mehr Übergewicht auf der Strasse...

Ja die Highlights die wir inzwischen erlebt haben, möchten wir euch natürlich auch nicht vorenthalten: Der Flug von uns (Aires) und Motorrad (Girag) von Panama City nach Bogota verlief problemlos!Wir fuhren von Bogota (2500MüM), der sehr angenehmen (wegen der Menschen und nicht wegen des Wetters) Hauptstadt nach San Gil (1000MüM), welches bekannt ist für alle Arten von Extremsport. Da waren wir natürlich gezwungen auch etwas derartiges zu wagen. So kam es, dass wir uns eines schönen morgens für je 11 Franken auf einem Raftingboot (zu viert auf einem Achtplätzer) befanden. Einer war der Guide (17-jährig, schmächtig), die andern drei, zu denen Ralph und ich gehörten, blutige Anfänger. Zum Glück hatten wir uns ja auch nur für die Anfängertour angemeldet. Dummerweise hatte es die ganze Nacht geregnet, sodass der Fluss zum braunen reissenden Riesen angeschwollen war...Nach kaum Instruktion (Einzige Regel: „Wenn du raus fällst, lass auf keinen Fall dein Paddel los!“) und mit 50% Unterbesetzung waren wir wie wild am paddeln, ohne das der Strom sich auch im geringsten um uns scherte. Tja, so verwunderte es nicht, dass nach bereits fünf Minuten Ralph und der andere Laie von einer zwei Meter hohen Wellenwand vom Spitz des Bootes in das 12 Grad kalte Wasser katapultiert wurden und nur mit grösster Mühe aus dem Wildwasser wieder herausgezerrt werden mussten. Ok, nach diesem Schock sollten wir es doch nun überstanden haben??Aber nicht doch, auch Kimchen soll noch ordentlich die Lungen voll eiskaltes, dreckbraunes Wasser kriegen. Ganze 9 Sekunden war ich unter Wasser, was bei Schock und Kälte sehr lang ist! Und als ich auftauchte kam ich immernoch kaum zu Luft, da einem die hohen Wellen ins Gesicht schwappten. Danach waren wir dank Adrenalin fähig, das Boot bis zur Landung nicht mehr verlassen zu müssen.:-) Trotz (oder gerade wegen?) der erlebten Turbulenzen war es eine spannende Erfahrung. Wiederholen? Vielleicht in der CH mit geschulten Guides? Mal schauen.

Nun etwas was besonders Papi-Werni interessieren dürfte!Wir waren auf einem verlassenen Offroadsträsschen, off the beaten track, als vor uns ein Wohnmobil auftaucht. Wir schauen sogleich auf das Nummernschild und es sind doch tatsächlich zwei Schweizer!! Carole und Frank (sie 51, er 63) aus der Welschschweiz!Diese beiden sind sage und schreibe schon 10 Jahre mit ihrem Wohnmobil unterwegs, dies in Australien, den USA und Mittel-und Südamerika. Jetzt kommts Werni! Das Wohnmobil ist auf einen Toyota Landcruiser montiert! Exakt das Modell, welches in der Garage von Ralphs Papa steht und bis jetzt nur davon träumen darf, so ein Abenteuer zu erleben!;-) Aber wer weiss.. was nicht ist, kann ja noch werden!Nun hoffe ich, dass Ralph unversehrt und ohne Busse wegen zu schnellem Fahren wieder zum Paragliden zurückkommt!! Bis bald! Euch allen nur das Beste! RaKim












P.s. die frittierte Riesenameise gilt in Kolumbien als Dellikatesse!! Und sorry dass der Blog erst jetzt am Stück kommt, aber der Compi wollte einmal mehr nicht so recht.. aber nun nach mind.5h Arbeit hats geklappt! :-)








Mittwoch, 1. April 2009

Das Ende der Strasse

Hallo aus Panama City! Die Landbrücke, welche Costa Rica und den Rest von Central Amerika mit der neuen Welt (Südamerika) verbindet, bietet einiges mehr als die Interamericana (die Haupt-Nord-Süd-Strassenverbindung von Alaska nach Feuerland, welche 300 km östlich von Panama City plötzlich als Sackgasse im Urwald endet). Als erstes sind da die Temperaturen: wie in jedem neuen Land erschlägt uns auch hier einmal mehr die Hitze, irgendwie kommt pro Land einfach 2 bis 3 Grad hinzu...

Aber noch kurz zurück nach Costa Rica: Ja was wir da in unseren Tagen in "Drake", einem 100-seelen-Kaff am Rande oder eher inmitten des Urwalds auf der Halbinsel Osa alles erlebt haben, erlebt man in 50 Zoo-besuchen nicht! Die folgenden Bilder geben einen Eindruck, was da im Wald so abgeht. Alle Fotos sind übrigens ohne lokalen Führer und nur mit einfacher Digitalkamera entstanden. Sämtliche Tiere sind uns quasi über den Weg gelaufen. Unglaublich und faszinierend zugleich!










































Zurück nach Panama. Kaum hinter der Grenze werden wir also eingehüllt in die heisse Nachmittagsschwüle, dass uns der Schweiss in Bächen in die Motorradstiefel läuft (Wenn man sie auszieht und umdreht, läuft ein ansehnliches Rinnsal raus.). Endlich kommen wir in David, der zweitgrössten Stadt von Panama an und gönnen uns zwangsläufig das beste Hotel der Stadt (wegen einer internationalen Ausstellung sind alle von uns vorher angefragten Hotels voll). Und das hat KLIMAANLAGE!!!! Das wir das nach 2 Monaten des Schwitzens in Billigabsteigen wieder erleben dürfen! Dann gibts da noch fast schon Vergessenes wie Satellitenfernsehen und zwei echte King-size-Betten mit weissen Bettlaken und das Beste: Wer vor lauter künstlich erzeugter Kälte im Zimmer eine warme Dusche nehmen will, kann sogar auf HEISSES WASSER zurückgreifen! Und das Gganze für schlappe 33 Dollar! Leider bleibt der Traum von kurzer Dauer, denn auch dieses Hotel ist morgen ausgebucht. Am Abend sind wir dann auch noch kurz bei der Ausstellung (Züspa auf Mittelamerikanisch) vorbei gegangen und hätten beinahe das Motorrad gegen ein Auto des Typs Toyota Cruiser umgetauscht... ICH MACH NUR SPASS! Natürlich hätte ich das NIE zugelassen, auch wenn Kim schon fest mit dem Auto geliebäugelt hat ("da könnten wir viel mehr Kleider mitnehmen und ich könnte schlafen während du fährst.."). Ein Blick auf das Preisschild hat aber auch sie dann von unserer unsinnigen Idee abgebracht.

Am übernächsten Tag gings nach einem kurzen Ab- oder eigentlich sollte man sagen Auf-stecher ins aahegelegene Kaffeeanbaugebiet (von 0 auf 1600 Meter oder von 36 auf 20 Grad in 40 Minuten) um den Vulkan Baru und dem bekannten Touristenort Boquete mit seinem lokal gepflanzt, geerntet, geröstet und gebrauten Kaffee (mmmmh!) und angenehmen 21 Grad (Kim findets zu kalt...) gehts schnurstracks Richtung Panama City mit seinem weltbekannten Panama-Kanal.

Schnurstracks heisst soviel wie 500 km langweiligste Schnellstrasse, mit Bestimmtheit die langweiligsten Kilometer in ganz Zentralamerika! Unterbrochen wird die Fahrt im "Backofen" nur durch die zahlreich versammelten Verkehrspolizisten, die allesamt ausgerüstet mit den pistolenartigen Radargeräte auf einen zielen (Leider fehlt es dann jedoch meistens am Geld für die notwendigen Batterien, wie uns ein Einheimischer später erzählt...). Gottseidank fungiert auch hier die Lichthupe des Gegenverkehrs als Polizeiwarnsystem. Und trotzdem haben es die fleissigen Ordnungshüter natürlich auf die Gringos mit ihrem schnellen Motorrad abgesehen! Nicht weniger als 3 mal werden wir in diesem Teilstück der Schnellstrasse (wobei "schnell" 100 km/h und 1 Spur bedeutet) angehalten. Zwei Mal geht es mehr um die Motorradbesichtigung als um die eigentliche Verkehrskontrolle aber der Dritte Polizist wills dann wissen: "Wie schnell sind Sie gefahren?" Ich glaube gesehen zu haben, dass da vor 500 Meter eine 100 km/h-Tafel gestanden hat und antworte mit Überzeugung in der Stimme "100 km/h.". Der Polizist schüttelt verächtlich den Kopf und übertrumpft mein Gebot um 12 Stundenkilometer. Ich seie 112 gefahren und wenn ich den Beweis haben wolle, solle ich ihm zu seinem munzigen Suzuki-Motorrad folgen, welches etwa 100 Meter hinter uns im Schatten eines Baumes steht und definitiv kein Radargerät besitzt. Ich argumentiere gekonnt, dass ich mein Motorrad nach dem dominant im Cockpit meiner Maschine plazierten GPS-Navigationsgerät einstellen könne, worauf meine BMW die vom Satelliten vorgegebene Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometer exakt einhalten würde. Der Polizist stockt, macht kurz grosse Augen und guckt sich mein GPS mit kennerischer Mine an und meint darauf: "Dann sei es ja gut, ich könne weiterfahren!"...

Mittlerweile sind wir also seit gut 10 Tagen in Panama City und haben zahllose Pendenzen erledigen können, auch wenn die wichtigsten Dinge leider noch fehlen. So haben wir meine in den Wellen von Costa Rica versunkene Brille ersetzt, Kims Kleiderschrank um das vierfache ausgedehnt, waren auf Kurzurlaub auf dem San Blas Achipelago (370 kleine Paradiesinseln im flachen türkisblauen Karibikwasser, siehe Fotos), haben den Panama Kanal besucht (Miraflores Schleusen, kleiner als wir es uns vorgestellt haben, dafür war zufällig der Panamesische Präsident und die Belgische Königin (oder Prinzessin?) anwesend), haben das Motorrad zum BMW-Händler gebracht und den 30000 km Service für CHF 60 (zum Vergleich: 20000 km Service in den USA für CHF 540!) machen lassen. Ja und leider warten wir immer noch auf zwei kleine Ersatzteile, die aus den USA eingeflogen werden müssen. Der ABS-Sensor muss ersetzt werden, da sonst das ABS nicht funktioniert und beim Motorblock rinnt schon zum zweiten Mal etwas Öl aus der Dichtung. Also muss auch ein neuer Dichtungsring her. Ja und leider kommen die Teile morgen Mittwoch nicht wie versprochen an, auch das ist halt Zentralamerika. Nach 5 mal anrufen und dauernd am Ball bleiben und den Mechaniker erinnern, dass er die Teile auch ja bestellen soll, hats leider doch nicht geklappt. "Ich solle morgen ein sechstes Mal anrufen, dann wisse er mehr..." so geht das nun seit einer Woche. ÄRGERLICH!
Glücklicherweise weilt seit gestern Abend aber ein freundlicher Herr bei uns im Hostel und der kennt anscheinend den gesamten BMW-Vorstand in München. Er hat sich heute Mittag anerboten, einmal ein paar e-mails zu schreiben und siehe da: als wir Nachmittags vom Shopping kommen, habe ich 3 e-mails vom BMW Regional-Manager Central Amerika in der Inbox in welchen er mir erklärt, er würde mich anrufen und, dass er den Leuten in Panama Beine gemacht hätte. Man würde sich bis Morgen bei mir melden mit einem definitiven Liefertermin! Ja, Einfluss muss man haben, das erleichtert einem so manchen Ärger.
Wenns dann klappen sollte mit den Teilen, wären wir so gegen Ende Woche (3. April) einen Kontinent weiter! Wir verfliegen das Motorrad mit der GIRAG Frachtfluggesellschaft von Panama City nach Bogota, Kolumbien und werden dem Motorrad einen Tag später nachfliegen. Wär da nicht der berüchtigte "Darien Gap" (ein etwa 100 km breites Band unpassierbarer Urwald um die Grenze zwischen Panama und Kolumbien), würden wir natürlich fahren. Unpassierbar übrigens nicht in erster Linie wegen der fehlenden Strassenverbindung oder der sumpfigen Flusslandschaft, sondern viel mehr wegen der zahlreichen sich im Urwald tummelnden Guerilla, Piraten und Drogenkuriere sowie der paramilitärischen und militärischen Gegenveranstaltungen...

In Kolumbien gelandet, beginnt dann die Phase 3 unserer Reise (1 USA, 2 Mexico und Mittelamerika)... Hoffentlich stimmt es nicht, dass die Regenzeit in Kolumbien äusserst regenreich und von April bis May gehen soll... Ade Strand und Sonne!

Montag, 2. März 2009

Im Paradies: Die Reiche Küste










Wie immer wenn es besonders schön ist auf unserer Reise, melden wir uns nicht so fleissig... Als wir uns vor einiger Zeit Mittelamerika so zurechtgelegt hatten, sagt
en wir uns: „Costa Rica“, da gehen wir so schnell es geht durch, denn da ist es teuer und viel zu touristisch!“ Aber wie so oft im Leben kommt dann alles anders;-) und grundlos treten sich Touristen ja auch nicht auf den Füssen rum.


Auf jeden Fall sind wir irgendwie hängen geblieben und nun seit fast vier Wochen in der Schweiz von Mittelamerika und fühlen uns wie im Paradies! Die Touris ignorieren wir oder schliessen nette Bekanntschaften, wie mit dem Pärchen aus Deutschland, Andrea und Michael, welche ihre jährlichen drei Monate Urlaub dieses Jahr in Nicaragua und Costa Rica machen (da sie sonst schon alles gesehen und erlebt haben..;-). War schön euch kennen gelernt zu haben!
Von Costa Rica haben wir bisher nur Pazifikstrände gesehen, davon jedoch jede Menge und einer schöner als der andere. Sehr gut gefiel uns Tamarindo, wo es einige super Strände rundherum gibt (Playa Flamingo, Brasilito oder Grande).

Da durften wir auch Zeuge eines wunderschönen Naturspektakels werden! Nach dem wir das Italienerpärchen ( Monia und Luca) endlich wieder mal getroffen haben, entschieden wir uns, nicht
eine Tour zu buchen, auf welcher man „eventuell“ mal eine Leatherback-Schildkröte Eier legen sehen kann. Denn genau das taten die zwei Italos in der Nacht zuvor und sahen natürlich keine, dies aus dem Grund, dass diese Art (wie alle Meeresschildkrötenarten) am aussterben ist und im Vergleich zu vor 10 Jahren, als 1000de an diesem Strand ihre Eier legten heute gerade noch 50 (!) pro Jahr sind... Da überlebt eine Spezies die Dinosaurier und wird vom Parasiten Menschen innert hundert Jahren praktisch ausgerottet...:-(

Wir gingen also einmal mehr an den super Strand Avellana (MEGA-Wellen mit dem Einsetzen der Flut!), als wir plötzlich sahen, wie sich unter den ersten Palmenreihen des eher menschenarmen Strandes einige Leute sammeln und auf den Boden gucken. Neugierig geh ich dahin und recke meinen Hals um etwas zu sehen. Da ist es! Ein winzig kleines, absolut mega süsses Schildkrötlein! Und da noch eins und noch eins! So durften wir am 1. Kriechmaraton zum Wasser von etwa 30 Olive-riddle Schidkrötchen teilhaben. Ein Hammergefühl und mal wieder echtes Glück! Danke Natur!

Da die Schildkröte nach Aussage einer anwesenden „Schildkrötenfachfrau“ (ich hab mal was gelesen...) die Eier zu tief vergraben habe, konnte ich noch Geburtshelferin spielen und etwa 10 Kleine ausbuddeln und zum Teil aus den Eiern zerren. Tolles Gefühl, welches sofort meinen Mutterinstinkt weckte, als Bodyguard die Kleinen, etwas schwächeren Krötchen zum Meer begleite.

Krass ist: von 30 000 Schildkröteneiern, wird im Schnitt nach 30 Jahren, wenn sie geschlechtsreif werden nur eine noch leben und wieder Eier legen. Also kein wunder sterben sie aus, wenn da der Mensch dazwischen funkt!:-(



Ja und jetzt sind wir in Montezuma (150 km weiter südlich) und sind schon wieder hängengeblieben;-). Das Zimmer am Strand, die Wellen zum einschlafen und baden und das alles für 20 Stutz im Doppelzimmer. Morgen gehen wir auf eine Insel „Tortuga“ schnorcheln, wo andere gestern sogar Delfine und Wale gesehen haben! Darauf hoffen wir natürlich auch!

Aber bitte nicht neidisch sein! Wir hatten vor drei Tagen eine Tarantel in der Hostal-Küche, eine Qualle hat mich gepiext und ein Insektenstich hat mich drei Nächte kratzend wachgehalten etc.etc.

Machts gut und plant euren nächsten Urlaub wenn möglich nach Mexiko oder Costa Rica, so wie das ja einige von euch bereits tun (gäll Beat, es scheint dass wir erste Weltreise-Nachahmer bekommen!;-)

Liebste Grüsse! Ralph und Kim





Ach vergessen zu erzählen hab ich noch: auf dem Weg von Santa Theresa nach Montezuma musste Ralph das 1. mal zwei Flüsse (80cm tief und 30 m breit!) durchqueren und noch drei Bäche! Und an einer Stelle war etwa für zwei km der Strand die „ Strasse“, was mit allem Gepäck beinahe unbewältigbar ist (ich marschiere und schwitz bei 35° Grad, Raph schlingert, wedelt und müht sich ab und flucht vor sich hin) Also mal wieder ein grosses „HOCH lebe Ralph und seine Heldentaten“an dieser Stelle! Muss langsam aufpassen, damit er sich nicht zu viel drauf einbildet;-) Bye bye!


Mittwoch, 18. Februar 2009

Amerika Mitte: Vom Winde verweht...


Von wo ich jetzt gerade schreibe? Von Costa Rica, Playa del Coco (wobei der Strand nicht der Rede wert ist), dafür können wir bei kennen gelernten Ticos (so nennen sich die Leute von hier) im Office ihrer Motorrad-Werkstatt, welche auch Küche und Bad hat, hausen! MUCHAS GRACIAS ANDREA, STANLEY Y OSCAR de WANA RIDE! Also mal wieder ein Glücksfall, zu welchem uns unser treues Gefährt verholfen hat, da diese Motorradfans natürlich sofort auf unser Schmuckstück aufmerksam wurden, als sie es erblickten:-) und uns Wildfremde kurzerhand zu sich einluden. 1:0 Costa Rica!

Jetzt werden wir wohl 2-3 Nächte hier sein, man kann den Leuten ja auch nicht zu lange auf der Pelle sitzen!


Von Honduras und Nicaragua haben wir glaube noch gar nichts geschrieben! Ja Honduras hat uns bis jetzt am wenigsten von den Socken gehauen: einen anständigen See, mehr haben wir nicht entdeckt (sind in knapp 1 Woche ja aber auch nicht durchs ganze Land gebraust). Auch sind wir da eher reservierten, auf uns herunterschauende Menschen begegnet, was jedoch auch Pech gewesen sein könnte. Aber die Tendenz ist allgemein schon eher so, dass die Menschen wohl etwas neidisch sind auf uns und oft das Gefühl haben, wir seien Millionäre (was wir ihnen gegenüber wohl auch sind). Und evtl. auch weil sie schon schlechte Erfahrungen mit Touris gemacht haben??!

Nicaragua wiederum hat uns seeehr gut gefallen! Nach Grenzübertritt wird man bald von einer beeindruckenden Kette von Vulkanen empfangen und passiert eine unsäglich heisse Strecke wo überall Dust-devils (kleinere Tornados) zu sehen sind. Diese scheinen es Ralph anzutun, dauernd wollte er anhalten, um eine solche Windhose von nahem zu erleben, NEIN DANKE!

Granada und Leon sind zwei schöne Kolonialstädte, wobei Granada der herausgeputzte und Leon eher der unrasierte Bruder sein könnten. In Granada wurden die schönen Kolonialbauten mit harten Dollar restauriert, in Leon hingegen verfallen die Kirchen, was ihnen ironischerweise einen originaleren Look gibt. Allerdings hats im schönen Granada auch einiges an Touris, da stehen die Strassenmusikanten auch schon mal Schlange vor deinem Tisch... Mühsam!


Das Highlight war jedoch der Besuch der Isla de Ometepe! Das ist eine Insel, welche durch den Ausbruch von zwei Vulkanen in Mitten eines Sees entstanden ist! Dafür mussten wir mit einer Fähre (Klasse: Nusschale) über den gigantisch grossen (Bodensee? was für eine Pfütze!), eher meerhaften Lago de Nicaragua (inkl. Süsswasser-Haie und 2 Meter hohe Wellen) übersetzen (mir wurde es dabei so übel wie noch nie in meinem Leben..., dies ein Grund mehr, warum ich dann am liebsten da bleiben wollte...).


Dort genossen wir einfach das windige Inselfeeling, wobei Baden nicht so anmachte, da es wegen Hochwasser keine Strände hatte und ein rauer Seegang herrschte.

Dies wegen des starken Windes (bisweilen Lastwagenumkippend!), welcher uns eine Woche auf der Insel „gafangen“ hielt nachdem er zuvor eine Fähre zum kentern gebracht hatte!! In dieser Zeit waren wir mit zwei deutschen älteren Käuzen (Rolf und Richard) aus Platzgründen in einem 4er-Zimmer. Sie reisen auch mit dem Motorrad von Nord nach Süd und wir sind uns auch schon einige Male unverhofft wieder über den Weg "gefahren". Herzlichen Dank Richard für dein ausgeliehenes Geld, während wir auf der Insel (ohne Bank) Robinson Crusoe spielen mussten...

Mit den Stränden hatten wir leider bisher nie so Glück ausser in Mexiko (Puerto Escondido: te amos!!:-), was sich hier in Costa Rica hoffentlich ändern wird!


Gestern haben wir hier in Playa Coco einen interessanten, ehemaligen Motocross-Fahrer aus den Staaten (Landessieger USA Supermoto 2007) kennen gelernt, welcher nach einem schweren Rennunfall (Titanellenbogengelenk siehe Foto) mit 17 ein Trucker-business aufbaute und mit 35 Jahren (mittlerweile 700 Trucks und 10000 Mitarbeiter) in Frührente (Neid, Neid..) ging, noch ein wenig Super-Moto fährt als Hobby... und jetzt mit einem brandneuen KTM 990 S Dakar (Geschenk des Hauses KTM...) Motorrad in der Weltgeschichte rumfährt und bei Gutdünken auch mal einem lokalen Business 50000 Dollar Starthilfe zustreckt (für unsere Weltreise hatte er leider gerade kein Kleingeld übrig, dafür durfte Ralph mal mit seiner 50000-Dollar-Maschine eine Runde drehen)!

Der Typ (nennen wir ihn Chris), also Chris hat uns dann beim Besuch des Four Seasons Hotels (inkl. Golfplatz, 4 Privatstrände, 2,5 dl Wasserflaschen von den Fidji Inseln für schlappe 6 Dollar und Gästen wie Angelina Jolie etc.) auch so einige Anekdoten aus seinem „früheren Leben“ geboten. Sätze wie „hier in Costa Rica fühle ich mich auch ohne meinen Bodyguard sicher.“ oder „Meine Frau kriegt von mir 3000 Dollar pro Woche Taschengeld (trotzdem will sie sich scheiden lassen(anm. d. Red.))“ oder „dann wollten wir mit den Kindern mit unserem Privatflieger ins Disney-World fliegen, aber die Kinder hatten keine Lust, da wir schon vor 3 Monaten da waren...“

Uns geht’s gut (sogar besser seitdem wir Chris kennen, denn Reichtum macht definitiv nicht glücklich, empirisch bewiesen!), ausser dass ich ab und zu vermisse, eine Aufgabe zu haben, sprich etwas Nützliches für andere Menschen zu tun.

Dem Motorrad geht’s auch blendend, allerdings gibt es erste Anzeichen, dass es sich bald wieder einen Service wünscht: ABS hat sich abgemeldet und etwas Öl läuft erneut bei der bereits in Albuquerque, USA reparierten Motorblockdichtung aus. Jedoch kein Grund zur Sorge, unsere 800er Twin steckt das locker weg!

So, das wars für heute. Ich hoffe, niemand ist beim lesen eingeschlafen, denn es ist halt spannender die Dinge zu erleben als darüber zu lesen.

Die liebsten Grüsse vom Pazifikstrand! Ralph und Kim







Sonntag, 18. Januar 2009

Tage am Ende der Welt






Auch Tage wie diese gibt es:

Nachdem wir in ein kaltes, gar nicht anmachendes Dorf: Santa Cruz del Quiche (4000 Einwohner, alles Indios) zur Übernachtung kommen, merken wir erst nach Einzug in unser neues Heim, dass es im Bad ekelhaftestens stinkt, so dass einem übel wird. TV hat es, aber gerade mal mit 2 englischen Sendern. Die frisch gekaufte Milch ist hinüber und das Brot ungeniessbar. In der Nacht muss der arme Ralph einige male von Bauchkrämpfen geplagt das Mittagessen auf stark verdünnte Weise von sich geben.

Als wir am Morgen diesem Ort entfliehen möchten, den Töff schön säuberlich wieder mit all unserem Kram beladen haben (dauert ca.45min), erfahren wir: der kürzeste Weg zu unserem nächsten Ziel: Coban, ist durch einen Erdrutsch (bei welchem 37 Menschen gestorben sind) unpassierbar und bleibt dies auch für zahllose Geröll-Abtransportier-Lastwagenladungen. Die anderen zwei möglichen Wege kann man auch nicht nehmen, da es zu gefährlich ist, weil heute Protestmärsche mit Strassenblockaden (gegen die korrupte Regierung) stattfinden. All diese Informationen haben wir durch das Befragen von zahllosen unterschiedlichsten Menschen mit ebenso unterschiedlichen Aussagen zusammengepuzzelt.

Also bleibt uns nichts anderes übrig als im Kaff, welches wir nur allzugerne verlassen hätten, nochmals ein neues Hotel zu suchen (ins Stinkloch zurück wollten wir nicht mehr). Im schliesslich gefundenen, nicht merklich besseren Schlag, sinken wir erschöpft auf die durchgelegene Matratze (durchgelegen=Becken und Kopf auf Holz) um auf den nächsten Tag zu warten, was wir tun, während ich dies schreibe.

Am nächsten Morgen nach einer sehr kalten feuchten Nacht, in welcher man (eher: frau;-) nicht einmal im Schlafsack warm bekam, geht’s unter die lau-kalte Dusche, brrrr (es gibt in Guatemala alle möglichen Wassertemperaturen, varierend zwischen: kein Wasser und nur heissem Wasser, meist jedoch eher gegen kalt tendierend.)

Am nächsten Morgen entscheiden wir „Zeit zu sparen“ und nehmen den mittellangen Weg mit anscheinend mittelschlechten Strassen... wir kommen innert 7h 100km weit mit waghalsigen Glanzleistungen von Ralph inkl. an einer zu steilen sandigen Stelle komplettes Abpacken des Motorrades, durch den Sand fahren, Gepäck nachtragen, wieder aufladen und weiter holpern über steilste Einweg-mit-Zweiwegverkehr-Schotterpisten.

Im Dorf in welchem wir Mittag essen (extrem zähes, altes Suppenhuhn) frage ich die Besitzerin, warum sie einem durch Gitterstäbe hindurch bedient. Darauf zeigt sie uns eine 5 cm grosse Messerstichnarbe am Hals und erzählt mit Tränen in den Augen, dass sie einst hier überfallen und niedergestochen wurde.

Am Abend schauen wir nach unserem ach so einfallsreichen Nachtessen (Suppe mit „Hörnli“ drin, am Vorabend mit „Müscheli“) spanisches Fernsehen (ca. 8 Kanäle, dürftige Bildqualität), dies nach einer erneut kalten Dusche. Als ich Ralph darauf aufmerksam mache, dass ich nun schon die dritte rote Riesenameise töten musste (2 cm lang und echt zäh, braucht mind. 5 Sandalenschläge und Quetscher!) und ich es langsam ungemütlich finde, sehe ich sie: eine ganze Armee Ameisen wollen den Tod ihrer Späher-Ameisen rächen, Hiiilfe!! Sie sind bereits in unseren Food-Sack gekrochen und wollen uns aushungern....:-(kreisch, kreisch, mit dem Insektenspray zum Massenmord!...

Am nächsten Morgen ist es bedenklich bewölkt, trotzdem fahren wir auf der Schrottstrasse (man stelle sich einen schweizer Feldweg in bedenklichem Zustand inkl. 20 cm tiefer Löcher und ebenso hohen Felsbrocken vor, nur dass sich die Strasse hier „Ruta nacional Nummer 5“ nennt) weiter Richtung Coban ...und ja, es beginnt zu regnen und ja das Kommunkationssystem macht wie immer schlapp, wenn es feucht und kalt ist und ja wir fahren mit Funkstille ca. 1h durch dicksten Nebel inkl. Nieselregen bei 10°(ist auf dem Töff nicht gerade lauschig warm..)

Jetzt, da es hier in Coban ca. 3 Tage dauerregnet (Das Phänomen nennt sich „Chipi Chipi“: Nieselregen... da fühlt man sich fast in die CH zurückversetzt....), müssen wir leider auf unsere nächste Sehenswürdigkeit warten (60 km Dreckstrassen – bei Regen unpassierbar): Semuc Champey, weils der Beat empfohlen hat (und wehe dir, wenn sich das Warten nicht gelohnt hat!). Dies in einem Zimmer ohne Fernseher:-(und feuchten Betten, Wänden, Frottetüchern, Kissen.. Wenigstens ist Ralph mit wenig happy! Er hat sich mal wieder ein neues Spielzeug gekauft: ein Modellfliegerlein, welches er im Moment gerad irgendwie am Töff anzukleben versucht. Ist das nicht süss???;-)

Mal sehen was wir morgen machen, ev. sündigen wir und kaufen uns ein mini-dvd-Laufwerk (die neusten Kinofilme raubkopiert kauft man hier an jeder Ecke für schlappe CHF 1.20 das Stück)...

Hier noch einige weitere Erlebnisse zum abhaken: Zimmer mit mehreren Riesenkakerlaken aus dem Abfluss der Dusche kriechend - ein anderes Zimmer ist so voll Schimmel, dass man bei der Besichtigung meint, es sei schwarz gestrichen und erst nach Einzug merkt, wie man sich getäuscht hat - oder an einem Tag 5 Salatteller-grossen schwarz-orangen Tarantulas begegnen (Gottseidank vom Motorrad aus und im Vorbeifahren) - Menschen sehen, welche unter der Korruption der Regierung leiden und viel mehr arbeiten (oder eher: 18 h pro Tag im eigenen Lädeli auf einen oder zwei Kunden warten) in ihrem Leben, als wir je werden und trotzdem nichts haben - etc. etc.

Trotzdem lohnen sich die Anstrengungen, denn man wird sich bewusst, wie bequem und angenehm man es eigentlich in der Schweiz haben kann... Seltsamerweise möchte ich momentan trotzdem überhaupt nicht zurück kommen, da mir die Einfachheit und Überschaubarkeit unseres derzeitigen Lebensstils gut tut. In einem Land wie Guatemala haben die Menschen eher „wirkliche“ Probleme (Feuerholz zum kochen und heizen finden im bereits zu 90% abgeforsteten Urwald, keine Schulplätze für die Kinder, Bandenkriminalität, etc.) statt Pseudoängste wie in der Schweiz (Möchte damit nicht sagen, dass man in der CH keine echten Probleme haben kann!!).

Heute haben wir nun tatsächlich ein externes DVD-Laufwerk gekauft (der Beschaffungsproblematik nach wohl das einzige in ganz Coban)! Nochmals 1,2kg mehr Gepäck... mal schauen, welch anderes Gepäck wir dafür opfern können. Wir Menschen sind halt schon Käufer und Sammler;-)... Dafür auch schon den ersten Film geschaut („Marley and me“ mit Jennifer Aniston - laaaaaaaaaangweilig!)

So viel geschrieben...excusez-moi, dies deshalb, weil ich „entdeckt“ habe, dass man ja auch Blogs vorschreiben kann;-) und natürlich wegen dem miesen Wetter, das einem „Zeit verschafft“...

Die besten Wünsche aus der Ferne! RaKim